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Lifelines
Wiener Hauptverkehrsadern als Konflikt- und Erlebnisräume

Forschungsantrag
EXCITE-Initiative
11/2019
Zusammen mit dem Forschungsbereich Städtebau der Technischen Universität Wien und AVENUE21 Projektleiter Projektass. DI Dr. Mathias Mitteregger

Wie sieht das „Tschocherl“ einer E-Tankstelle aus, an dem man ein E-Carsharingfahrzeug mietet? Wie der Bahnsteig für die Ridesharing-Fahrt zum Baggersee? Kann die Übergabe eines Sharing-Fahrrads ein sozialer Moment sein?
Lifelines ist ein Forschungs- und Lehrprojekt das sich mit dem Zusammenspiel von Stadtstruktur und Mobilität beschäftigt. Ziel des Projekts ist das Schaffen einer neuen Betrachtungsweise von Strukturen und Räumen der Mobilität entlang der Wiener Hauptverkehrsadern, ihrer Entstehungslogiken und zukünftigen Entwicklungen, vor dem Hintergrund der Mobilität als gesellschaftlichem Konfliktfeld und einer sich abzeichnenden Mobilitätswende. Jene Aspekte der Mobilität, die über die bloße Ortsveränderung hinausgehen sind zentrale Gegenstände des Forschungsprojekts. Wir wollen besser verstehen, was Menschen tun, wenn sie unterwegs sind, um Orte der neuen Mobilität als Erlebnisräume begreifen und gestalten zu können.
Im Kontext der Klimakrise werden ökologisch abträgliche Verhaltensmuster zunehmend moralisiert und die Verantwortung jedes*r Einzelnen eingemahnt. Dadurch entstehen Konflikte, bei denen die räumliche Komponente maßgeblich ist. Periphere und zentrale Lagen bringen unterschiedliche Mobilitätsstile hervor, die nicht nur von Haltungen und Werten abhängen, sondern die in materielle und institutionelle Strukturen eingebettet sind.
Ausfallstraßen sind jene städtischen Raumkontinuitäten, die zentrale und periphere Gebiete verbinden. Sie sind nicht nur wichtige Transiträume, sondern stellen auch raumbildende Strukturen großer Permanenz dar. Entlang ihrer Verläufe lassen sich unterschiedliche Facetten der Stadtentwicklung beobachten. Diese Hauptverkehrsadern aus sich überlagernden und ergänzenden Verkehrsträgern und Infrastrukturnetzen stellen ein Kompendium von urbanen und periurbanen Realitäten dar.
Als Räume der Mobilität können einerseits Autos und öffentliche Verkehrsmittel verstanden werden, andererseits aber auch Straßen, Wartehallen oder Tankstellen. Diese Räume sind bei weitem nicht auf eine Nutzung beschränkt, sondern nehmen ein breites Feld an Funktionen auf.
Integraler Bestandteil des Vorhabens ist der Einsatz der Medien Film und Fotografie als Analyse- und Vermittlungstool, das Arbeiten vor Ort im Rahmen einer „in-situ-Universität“, sowie die grafische und textliche Auseinandersetzung mit Thema und Ort. Durch eine kollektive Arbeitsweise soll während des Semesters ausreichend Wissen gesammelt werden um im Rahmen einer Summer School Entwürfe für die multimodalen Mobilitäts-Schnittstellen der Zukunft zu erarbeiten. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf großmaßstäblichen Verkehrsdrehscheiben, sondern umfasst alle Orte sich überlagernder Mobilitäten.
Die Ergebnisse des Projekts werden in Form einer Publikation veröffentlicht. Die entstandenen Filmbeiträge werden im Rahmen des Festivals Suburbinale einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Angedacht ist auch die niederschwellige Vermittlung ausgewählter Aspekte in Räumen der Mobilität.

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